
„Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, so der Anfang eines Kirchenliedes. Die Gegenwart des Todes, die Begrenztheit des Lebens wird uns bei vielen Gelegenheiten bewusst, besonders aber wenn ein lieber Angehöriger plötzlich stirbt. Der plötzliche Tod von P. Stanislaus war für uns alle ein großer Schock. Am Vorabend von Dreikönig war er noch guter Dinge und zeigte keinerlei Anzeichen einer ernstlichen Erkrankung. In der Früh feierte er den Gottesdienst und segnete das Dreikönigwasser. Um 16 Uhr wollte er sich nach Plan in den Beichtstuhl begeben, da brach er zusammen. Mitbrüder kamen ihm zu Hilfe, mussten aber feststellen, dass es mit ihm schon nach wenigen Minuten zu Ende ging. Der sofort herbeigerufene Notarzt konnte nur mehr den Tod wohl durch Herzinfarkt feststellen.
Anselm Grün schreibt einmal: ,,Was bleibt von einem Menschen, der für immer von uns geht? Die großen Worte? Herausragende Taten? Es bleiben vor allem die Spuren der Güte, die dieser Mensch in anderen Hinterlassen hat.“ Ich glaube P. Stanislaus Knollseisen hat viele Spuren der Liebe hinterlassen.
Geboren ist Peter Knollseisen am 22. August 1935 in Terenten als 12. Kind des Kleinbauern Josef Knollseisen und von Kreszenz Engl. Die Mutter adoptierte neben ihren vielen Kindern auch noch das Liebeswerkkind Hansjörg. Deshalb wurde die Familie oft vom damaligen Liebeswerkmandatar Raphael Wieser besucht. Das Vorbild von P. Raphael mag den kleinen Peter in seiner Berufswahl beeinflusst haben. 1948 begann er das Studium im Kapuzinerseminar von Salern. Am 03. September 1955 trat Peter in den Kapuzinerorden ein, wo er den Namen Stanislaus erhielt. Nach dem Studium in Sterzing und Brixen wurde er am 29. Juni 1964 von Bischof Gargitter zum Priester geweiht.
Dann war P. Stanislaus in mehreren Klöstern tätig und übernahm bereitwillig verschiedene Aufgaben: So war er Mandatar des Liebeswerkes, Bibliothekar und Drittordensdirektor. Von 1972 bis 1981 wirkte er als Pfarrer in Radein. Viele Jahre war P. Stanislaus landauf landab auch als eifriger Missionsanimator unterwegs. Am meisten Freude bereitete ihm aber die Tätigkeit als Religionslehrer, diesen Beruf übte er fast 30 Jahre lang aus. Mit viel Einfühlungsvermögen und Geduld verstand er es, in den Kindern Freude am Glauben zu wecken. Als P. Stanislaus einige Zeit im Krankenhaus verbringen musste, besuchten ihn verschiedene Schulklassen. Der Abschied von diesem Beruf fiel ihm nicht leicht.
Seiner Heimat Terenten und seinen Geschwistern blieb P. Stanislaus immer sehr verbunden: Die Ferien verbrachte er jedes Jahr mit seiner Schwester Josefa, einer Ordensfrau.
Nach seiner Pensionierung wirkte P. Stanislaus bis zu seinem plötzlichen Tode pflichtbewusst und mit großem Eifer als Beichtvater und Prediger im Kapuzinerkloster von Meran. Er bemühte sich, die Gottesdienste würdig und festlich zu gestalten. Obwohl ihn verschiedene körperliche Leiden plagten und ihm oft große Schmerzen bereiteten, sagte er nie nein, wenn er ersucht wurde, auch Dienste im Haus zu übernehmen.
P. Stanislaus starb unerwartet, aber bestimmt nicht unvorbereitet. Er fehlte kaum einmal beim Chorgebet und hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, täglich zweimal, um 5 Uhr in der Früh und abends um 17 Uhr, mit der Grünen Welle den Rosenkranz zu beten, dabei wollte er nicht gestört werden. Am meisten zu bewundern ist, mit welcher Entschlossenheit und Energie der Ordenspriester imstande war, gewisse Schwächen zu überwinden.
Lieber P. Stanislaus! Wir danken dir für alles, was Du in den vielen Jahren für uns und für viele Menschen getan hast; wir danken dir für Deine Hilfsbereitschaft und Deinen guten Willen. Wir empfehlen dich der Barmherzigkeit und Güte Gottes und wünschen Dir, dass Du jetzt bei Gott Heimat gefunden hast und dass Dir Gott eine schöne Wohnung bereiten möge.
(von P. Robert Prenner, Meran)

